Porträt der Künstlerin Yayoi Kusama inmitten ihrer Werke in Hongkong, China, am 4. Oktober 2012. (Foto: Jose-Fuste RAGA/Gamma-Rapho via Getty Images)

Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Ihr Studio bestätigte am 27. August 2026, dass sie bereits am 14. August in einem Krankenhaus in Tokio verstorben ist. Bis in ihre letzten Tage soll sie weiter gemalt haben.

Kusama hinterlässt eine Bildsprache, die weit über den Kunstmarkt hinaus erkannt wird: Punkte, Kürbisse, Infinity Nets und spiegelnde Räume. Was bedeutet ihr Tod nun für ihren Markt? Werden ihre Werke automatisch knapper und wertvoller? Und was lässt sich daraus über Kunst als Asset lernen? Darüber sprechen wir mit Anna aus unserem Art Team.

Anna, was verändert sich für einen Kunstmarkt, wenn ein Künstler stirbt?

Anna: Erst einmal etwas sehr Einfaches: Es können keine neuen Werke mehr entstehen. Aus einem wachsenden Œuvre wird ein abgeschlossenes. Wenn die Nachfrage bestehen bleibt, kann diese Knappheit Preise unterstützen.

Aber daraus würde ich nie ableiten: Ein Künstler stirbt, also steigen automatisch alle Werke. Eine Studie im Journal of Cultural Economics zeigt zwar im Durchschnitt einen posthumen Preisaufschlag, aber der Effekt unterscheidet sich stark nach Künstler, Alter, Reputation und Werk.

Kusama war 97. War ihr Tod nicht längst in den Preisen berücksichtigt?

Anna: Zum Teil wahrscheinlich schon. Aber bei Kunst ist „eingepreist“ schwieriger als bei einer Aktie. Kunst hat keinen Börsenkurs. Ein frühes Gemälde, ein Pumpkin, eine Skulptur und eine Edition können völlig unterschiedliche Märkte haben.

Der Markt wusste natürlich, dass Kusamas Produktion nicht unbegrenzt weitergehen würde. Gleichzeitig ist ihr Œuvre jetzt endgültig abgeschlossen und die Aufmerksamkeit steigt. Beides kann den Markt beeinflussen. Wie stark, werden wir aber erst an echten Verkäufen sehen.

Also auf die nächsten Auktionen schauen?

Anna: Genau. Ich würde jetzt nicht auf eine einzelne Schlagzeile oder einen Rekord schauen, sondern auf mehrere Ergebnisse über die nächsten Monate. Werden Werke über oder unter Schätzung verkauft? Wie hoch ist die Verkaufsquote? Gibt es mehrere ernsthafte Bieter? Entwickeln sich Unikate anders als Editionen?

Erst dann sieht man, ob sich wirklich etwas im Markt verändert oder ob vor allem die mediale Aufmerksamkeit gestiegen ist.

Was macht Kusamas Geschichte für dich auch mit Blick auf andere Künstler interessant?

Anna: Sie zeigt sehr gut, dass ein starkes Vermächtnis nicht über Nacht entsteht. Ich schaue bei Kunst deshalb auf ein paar grundlegende Dinge: Hat ein Künstler eine eigene, sofort erkennbare Sprache? Wird das Werk von Museen und wichtigen Institutionen gezeigt? Gibt es internationale Sammler? Und wie knapp und bedeutend ist das konkrete Werk innerhalb des Œuvres?

Genau diese Fragen lassen sich auf Künstler in ganz unterschiedlichen Karrierephasen übertragen. Bei David Hockney zum Beispiel ist die kunsthistorische Relevanz längst etabliert. Bei unserem Werk Lillies, 1971 geht es deshalb stärker um das konkrete Werk: Motiv, Qualität und die kleine Sonderedition von nur 35 Exemplaren. Bei Clyde Hopkins wiederum ist Tree Painting No.2, 1981 spannend, weil es aus seiner wichtigen lyrischen Phase der frühen 1980er stammt und als Unikat genau diese Schaffensperiode greifbar macht.

Bei Nicolas Party und Salman Toor finde ich vor allem die eigene Bildsprache spannend. Bei Untitled (Woman in Green), 2020 sieht man Partys intensive Farben und stilisierte Porträts sehr direkt, während Citizens with Flags, 2025 typische Themen von Toor wie Identität und Zugehörigkeit aufgreift. Auch Justin Fitzpatrick verbindet in Chef’s Table, 2020 Figuration und Abstraktion zu einer sehr eigenen Sprache. Und Ermina Avramidou arbeitet in Neural Network II, 2025 mit geschichteten Strukturen, die zwischen neuronalen Netzwerken und kosmischen Formen changieren.

Dann gibt es Künstler:innen, bei denen ich gerade besonders auf die institutionelle Entwicklung schaue. Dominique Fung ist 2026 im USC Pacific Asia Museum zu sehen, eine weitere Präsentation am ICA San Francisco ist angekündigt; Good Fortune Vessel, 2020 kehrt im September zu Timeless zurück. Claire Tabouret wurde für die neuen zeitgenössischen Glasfenster von Notre-Dame de Paris ausgewählt; ihr Werk The Gold Miners, 2017 ist ein Unikat auf Papier. Und bei Antony Micallef fällt die aktuelle Soloausstellung im MUCA München mit mehr als 50 Werken genau in diese Kategorie; bei Timeless ist Self Portrait with Chromium Oxide, 2025 verfügbar.

Für mich ist das die interessantere Frage als „Wer ist die nächste Kusama?“: Welche Signale sehen wir heute schon, die dafür sprechen, dass ein Künstler und ein bestimmtes Werk auch langfristig relevant bleiben könnten?

Quellen

Yayoi Kusama Official Site, Announcement of the Passing of Yayoi Kusama, 27.08.2026; n-tv / dpa, Yayoi Kusama ist tot, 27.08.2026; Sahli & Cuntz, Is there a premium for legacy artists?, Journal of Cultural Economics; MASSIMODECARLO und ICA San Francisco zu Dominique Fung; Timeless Asset Pages, Stand 27.08.2026.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sammlerstücke können im Wert steigen oder fallen und der Verkauf kann Zeit in Anspruch nehmen. Historische Wertentwicklungen und Auktionsergebnisse sind kein Indikator und keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Bitte prüfe vor einer Investmententscheidung die jeweiligen Angebotsunterlagen.

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