
Bei einer Rolex oder Tudor ist es oft das Zifferblatt, das eine Uhr besonders macht. Viele Beinamen unter Sammlern, darunter Panna und Beach, beziehen sich darauf. Die fünf Uhren unserer Rare-Dials-Auswahl zeigen fünf Wege, wie ein Zifferblatt seinen eigenen Charakter erhält. Drei waren von Anfang an anders: eine Auftragsarbeit für die saudischen Grenztruppen, eine Uhr mit einem Zifferblatt aus Türkis und eine, bei der sich Kalender und Chronograph das Zifferblatt teilen. Die beiden anderen veränderten sich erst, nachdem sie die Manufaktur verlassen hatten: Eine wurde in einer unabhängigen Werkstatt überarbeitet, die andere veränderte sich durch Alterung.
Zu den bekanntesten Rolex-Auftragsarbeiten zählen Zifferblätter mit dem Khanjar-Emblem des Oman, einem traditionellen Dolch über gekreuzten Schwertern. Sultan Qaboos bin Said bestellte Rolex-Uhren, um sie Würdenträgern und Mitarbeitern zu schenken. Einige dieser Aufträge liefen über den Londoner Juwelier Asprey, dessen Name auch auf dem Gehäuseboden erscheinen kann.
Auch saudische Organisationen ließen ihre Embleme auf Rolex-Zifferblättern anbringen, darunter die Streitkräfte und die Grenztruppen. Die Wappen zeigen, welcher Organisation die jeweilige Ausführung zugeordnet ist.

Die Datejust 16030 „Saudi Border Forces“ in der Timeless-Kollektion stammt von 1982. Ihr champagnerfarbenes Zifferblatt trägt das Wappen der saudischen Grenztruppen. Ein entsprechendes Emblem ist auf dem Gehäuseboden eingraviert. Das 36-mm-Edelstahlgehäuse und das Jubilee-Band verleihen ihr das vertraute Erscheinungsbild einer Vintage-Datejust. Die übereinstimmenden Hoheitszeichen kennzeichnen die besondere Ausführung. Solche Zifferblätter entstanden auf Kundenbestellung und waren nicht für den allgemeinen Verkauf bestimmt.
1982 · 36 mm · Edelstahl
In den 1970er-Jahren begann Rolex, Datejust und Day-Date mit Zifferblättern aus Naturstein auszustatten. Lapislazuli, Malachit, Tigerauge, Onyx und Türkis brachten Farben und Strukturen hervor, die sich von Stück zu Stück unterschieden. Der spezialisierte Zifferblatthersteller Stern Frères begann um 1970 mit der Fertigung von Steinzifferblättern. Rolex wurde zu einem wichtigen Kunden.
Die Herstellung dieser Zifferblätter erforderte besondere Sorgfalt. Der Uhrenhistoriker Dr. Helmut Crott dokumentiert ein 1977 von Stern gefertigtes Datejust-Zifferblatt aus Lapislazuli, dessen Steinschicht nur 0,4 mm dick war. Eine dünne Metallunterlage stützte den Stein. Dieser benötigte Öffnungen für die Zeiger, den Kalender und bei manchen Ausführungen für aufgesetzte Indizes. Zu den dafür verwendeten Verfahren gehörte die Ultraschallbearbeitung. Während der Fertigung konnte das Material absplittern oder brechen. Haarrisse sind bei Vintage-Exemplaren bis heute ein wichtiger Aspekt der Zustandsbewertung.
Die fertigen Gestaltungen unterschieden sich erheblich. Manche Onyx-Zifferblätter verzichteten auf Stundenmarkierungen und ließen eine ununterbrochene schwarze Fläche entstehen. Tigerauge bot dagegen einen seidigen, je nach Lichteinfall wechselnden Schimmer. Stein kam auch in Edelstahluhren zum Einsatz, etwa bei einer von Phillips dokumentierten Datejust Ref. 1601 mit Lapislazuli-Zifferblatt aus der Zeit um 1974. Später folgten Sportmodelle wie die Submariner Ref. 16618 mit Onyx-Zifferblatt. Eine Weißgold-Daytona Ref. 16519 von 1998 mit blauem Sodalith, Diamantindizes und dem auf Zenith basierenden Kaliber 4030 zeigt, dass es Daytonas mit Steinzifferblättern schon vor der Beach-Serie gab.

Die „Beach“-Modelle der Ref. 116519 gehörten zur ersten Daytona-Generation mit Rolex-eigenem Chronographenwerk, dem im Jahr 2000 eingeführten Kaliber 4130. Sie verbanden Weißgoldgehäuse mit kräftig gefärbten Zifferblättern und passenden Bändern. Für Blau kam Türkis zum Einsatz, für Grün Chrysopras. Die rosa und gelben Ausführungen erhielten Perlmuttzifferblätter. Rolex fertigte die Modelle nur wenige Jahre und hat keine Produktionszahlen veröffentlicht.
Die Daytona Ref. 116519 Beach Blue Turquoise bei Timeless verbindet ihr Zifferblatt aus Türkis mit einem 40-mm-Weißgoldgehäuse und einem passenden blauen Band.
Kaliber 4130 · 40 mm · Weißgold

Die um 1950 eingeführte Ref. 6036 vereint einen Chronographen mit einem Vollkalender, der Wochentag, Datum und Monat anzeigt. Zwei Fenster zeigen Wochentag und Monat. Ein eigener Zeiger weist auf das Datum am äußeren Rand, während drei Hilfszifferblätter auf derselben Fläche Platz finden. Ihr Valjoux-basiertes Handaufzugskaliber 72C ermöglichte deutlich mehr Anzeigen, als die spätere Daytona bieten sollte.
Das Exemplar bei Timeless stammt von 1953 und besitzt ein 36-mm-Edelstahlgehäuse sowie sein originales weißes Zifferblatt, das eine schöne Patina entwickelt hat. Originale Zifferblätter dieser Art sind auf dem Markt nur schwer zu finden. Der bekannte Beiname „Jean-Claude Killy“ dieser Modellfamilie geht auf den Ski-Olympiasieger und Rolex-Botschafter zurück.
Christie’s verweist auf Schätzungen von Fachleuten, nach denen rund 500 Exemplare in Edelstahl gefertigt wurden. Heute lassen sich nur etwa 75 Exemplare am Markt nachweisen. Wenn Sammler, Museen und Fonds solche Uhren erwerben, bleiben weniger verfügbar. Phillips zählt die Referenz zu den bedeutenden Rolex-Sammlermodellen.
1953 · 36 mm · Edelstahl

Tudor führte seine ersten automatischen Chronographen 1976 ein, zwölf Jahre vor der automatischen Daytona. Das Valjoux 7750 benötigte ein dickeres Gehäuse, um den Aufzugsrotor unterzubringen. Daraus entstand der Beiname „Big Block“. Die Architektur des Werks veränderte auch das Zifferblatt: Die Hilfszifferblätter rückten nach links, die Datumsanzeige auf die Position bei 3 Uhr.
Die Ref. 9420 von 1984 bei Timeless ergänzt diese Geschichte um eine unabhängige Individualisierung durch Project X. Ihr graues Zifferblatt, die kontrastierenden schwarzen Hilfszifferblätter und das PVD-beschichtete Gehäuse verleihen dem Vintage-Chronographen einen dunkleren, zeitgenössischen Ausdruck. Der besondere Charakter dieser Uhr entsteht durch die unabhängige Neuinterpretation eines etablierten Tudor-Designs.
1984 · 40 mm · PVD-beschichteter Edelstahl

Manche der meistdiskutierten Rolex-Zifferblattvarianten entstanden durch Alterung. Rolex führte die Explorer II Ref. 16550 im Jahr 1985 ein und produzierte sie weniger als fünf Jahre. Ein Fehler im Lack der weißen Zifferblätter ließ viele Exemplare mit der Zeit einen warmen Cremeton annehmen. Daraus entstand der Beiname „Panna“, das italienische Wort für Sahne.
Das Exemplar bei Timeless stammt von 1986 und besitzt ein 40-mm-Edelstahlgehäuse, eine feststehende 24-Stunden-Lünette und einen zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger. Phillips beschreibt die 16550 mit weißem Zifferblatt als einen Favoriten unter Sammlern von Rolex-Sportuhren.
1986 · 40 mm · Edelstahl
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